Ob bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber, einem Streit mit dem Vermieter oder einem Konflikt nach einem Autokauf: Eine Rechtsschutzversicherung soll die finanziellen Risiken eines Rechtsstreits abfedern. Dieser Ratgeber erklärt, was eine solche Police tatsächlich abdeckt und worauf es beim Vergleich ankommt.
Was eine Rechtsschutzversicherung abdeckt
Je nach gewählten Modulen übernimmt eine Rechtsschutzversicherung die Kosten für Anwalt, Gerichts- und Gutachterverfahren in verschiedenen Rechtsgebieten. Typische Module sind der Arbeitsrechtsschutz für Konflikte mit dem Arbeitgeber, der Mietrechtsschutz für Streitigkeiten rund um die Wohnung sowie der Verkehrsrechtsschutz für Konflikte im Strassenverkehr.
Welche Module tatsächlich eingeschlossen sind, hängt von der gewählten Police ab. Eine Basisversion deckt oft nur einen Teilbereich ab, während umfassendere Pakete mehrere Rechtsgebiete gleichzeitig kombinieren.
Abgrenzung zur Privathaftpflicht
Rechtsschutz- und Privathaftpflichtversicherung werden häufig verwechselt, erfüllen jedoch gegensätzliche Funktionen. Die Privathaftpflicht greift, wenn Sie selbst einer anderen Person oder deren Eigentum einen Schaden zufügen, etwa einen Wasserschaden in der Mietwohnung. Mehr dazu, welche Schäden konkret gedeckt sind und worauf Mieter bei den Vertragsklauseln achten sollten, erklärt der Beitrag zur Privathaftpflicht für Mieter. Die Rechtsschutzversicherung hingegen schützt Sie, wenn Sie selbst in einen Streit verwickelt sind, unabhängig davon, ob Sie dabei im Recht sind oder nicht.
Abgrenzung zu Kranken-Zusatzversicherungen
Auch die Abgrenzung zu den privaten Kranken-Zusatzversicherungen nach VVG ist wichtig: Diese decken medizinische Zusatzleistungen wie Spital- oder Zahnbehandlungen und unterliegen eigenen, oft langen Vertragslaufzeiten. Wer bereits eine solche Police besitzt und sich fragt, wie eine Kündigung bei langen Vertragslaufzeiten funktioniert, findet dazu Hintergründe im Beitrag zur Kündigung von Zusatzversicherungen (VVG). Die Rechtsschutzversicherung ist davon unabhängig und betrifft ausschliesslich die Deckung von Rechtsstreitigkeiten, nicht von medizinischen Leistungen.
Wartefrist und typische Ausschlüsse
Nach Vertragsabschluss gilt für die meisten Module eine Wartefrist, bevor ein neu entstehender Streitfall tatsächlich gedeckt ist. Diese Frist soll verhindern, dass eine Police erst kurz vor einem bereits absehbaren Konflikt abgeschlossen wird.
Bereits beim Vertragsabschluss bekannte oder absehbare Streitigkeiten sind in der Regel von der Deckung ausgeschlossen. Ebenso schränken viele Policen bestimmte Bereiche des Familienrechts ein oder schliessen diese ganz aus. Die genauen Ausschlüsse unterscheiden sich je nach Anbieter deutlich und sind stets den individuellen Allgemeinen Versicherungsbedingungen zu entnehmen.
Module und Anbieter sorgfältig vergleichen
Da sich Deckungssumme, Streitwertgrenzen und Ausschlüsse zwischen Anbietern teils deutlich unterscheiden, lohnt sich vor Vertragsabschluss ein unabhängiger Vergleich mehrerer Offerten. Gehen Sie dabei strukturiert vor:
1. Listen Sie auf, welche Rechtsgebiete für Ihre persönliche Situation tatsächlich relevant sind
2. Vergleichen Sie Deckungssumme, Streitwertgrenze und Wartefrist mehrerer Policen
3. Prüfen Sie die Ausschlüsse genau, bevor Sie sich für einen Anbieter entscheiden
Verbindliche Angaben zu Deckungsumfang und Ausschlüssen liefert stets die jeweilige Versicherungsgesellschaft oder die Police selbst; bei grundsätzlichen Fragen zum Versicherungsvertragsrecht kann auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) als Aufsichtsbehörde weiterführende Informationen bereitstellen.
Einen Gesamtüberblick über Pflichtdeckungen und freiwillige Versicherungen bietet der Versicherungs-Hauptratgeber dieses Portals.